Nicolas Mabillard: Erscheinung eines neuen Artikels auf Ethnographiques.org

Foto © Nicolas Mabillard, Dakar, 2016

"Agencéité des enfants et esthétique de la honte à Dakar : Comment enquêter auprès des enfants en apprentissage ?"

L’article propose un retour réflexif sur l’utilisation de méthodes sociologiques qualitatives d’enquête pour la recherche avec des enfants en apprentissage vivant en milieu populaire dakarois, au Sénégal. Il aborde d’abord le rôle des interprètes dans le déroulement des enquêtes. D’un point de vue méthodologique, un dispositif de relations d’enquête de type triadique a été mis au point afin de s’adapter aux formes indirectes de communication d’informations sensibles en recourant aux trois personnes de l’interlocution : enfant, interprète et enquêteur. Le texte analyse également la position d’« adulte au pouvoir amoindri » adopté par le chercheur durant l’enquête. Enfin, les valeurs de pudeur (kersa) et de discrétion (sutura) sont explorées en lien avec l’économie morale de la honte et de son évitement. L’article contribue ainsi au débat sur l’utilité du concept d’agencéité en sociologie de l’enfance et en childhood studies dans le contexte urbain sénégalais.

L'article en intégralité


Daniela Waldburger am Centre Universitaire Mayotte

Vom 17.-27. September 2022 hat Daniela Waldburger am Centre Universitaire Mayotte (Französisches Überseedepartement im Indischen Ozean) einen Intensivkurs zu Allgemeiner Sprachwissenschaft unterrichtet. Die rund 50 Studierenden des dritten Studienjahres des „licence de Lettres“ und Daniela Waldburger dabei einige Kernbereiche der Sprachwissenschaft (u.a. Phonologie, Morpho-Syntax, Lexikologie, Soziolinguistik) anhand der Sprachen die für die Kursteilnehmer*innen im unmittelbaren Leben von besonderer Relevanz sind erarbeitet.

Der Seminarraum

Foto © Daniela Walburger, 2022

Kursteilnehmer*innen bei einer Gruppenarbeit

Foto © Daniela Walburger, 2022


Kirsten Rüther und Partner*innen: Summer School „Spaces for Future“ in Lusaka

Summer School „Spaces for Future“ an der Unicaf University in Lusaka: Arbeitsgruppen im Austausch

Foto: Jonas Metzger, September 2022

 

Stop Building: Menschen brauchen Häuser, viele bleiben unvollendet. Hier hat Regenwasser keine Chance zu versickern

Foto: Kirsten Rüther, September 2022

Vom 19. bis 23. September 2022 fand in Lusaka eine mehrfach verschobene Summer School zum Thema „Spaces for Future: Processes of Rural and Urban Transformation in Southern Africa“ statt. Gemeinsam hatte ein Netzwerk von Kolleg*innen (Antje Daniel, Kirsten Rüther, Universität Wien; Lameck Mwewa, Unicaf University Lusaka; Reimer Gronemeyer, Carmen Ludwig, Jonas Metzger, Universität Gießen) das von der Volkswagenstiftung finanzierte Programm entwickelt, mit dem wir 14 Teilnehmer*innen, Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen aus Deutschland, Ghana, Namibia, Nigeria, Österreich, Sambia, Simbabwe und Südafrika einladen konnten. Sie berichteten aus ihren Arbeitsprojekten, und ihre Ansätze wurden von zwei „senior academics“, Faisal Garba (University of Cape Town) und Gilbert Siame (Norwegian University of Science and Technology, Trondheim), kommentiert und gerahmt.

Auf einer Exkursion gemeinsam mit Emmanuel Tembo (Ministry of Lands and National Resources), Sulwe Busiku (Zambia Institute of Planners) und einer NGO für ein „land-titling programme“ besuchten wir Wohnbau- und Niederlassungsprojekte in Kabana, Mungule und Garden House, um uns mit Beispielen prekären, illegalen und aus der Stadt ausgreifenden Wohnens und Bauens vertraut zu machen. Mancherorts gelingt es, den Wohnenden ein Recht an Grund und Boden zu erwirken, wenn auch die Versorgung mit Infrastruktur prekär bleibt. Andernorts erfolgt das Bauen auf unsicherem Grund: Weder gibt es für die Menschen ein Anrecht auf das Land noch können sie sich vor widrigen Umwelteinflüssen schützen. Selbstverständlich gibt es auch „gated communities“, die ihrerseits zur veränderten Nutzung von Raum und Land beitragen. Sie alle unterscheiden sich von den kolonialen Strukturen, die zurückgelassen wurden und die im Zentrum der Stadt nach wie vor sichtbar sind.

Die Unicaf University in Lusaka ist Teil eines panafrikanischen Uni-Netzwerkes, der Standort in Lusaka noch recht rezent. Die Summer School war „the first of its kind“ an diesem von Dynamik und Gestaltungswillen geprägten Ort und rief reges Interesse bei allen Kolleg*innen dort hervor. Die Teilnehmenden, Gäste und das kulturelle Rahmenprogramm verwandelten unser ursprünglich konzipiertes Thema auf produktive Weise. Das Ensemble Arts Acres, spezialisiert auf „developing tailored capacity building“, hatte eine Performance zu Landkonflikten vorbereitet, die uns zum Mit-Machen und Mit-Denken aufforderte. Immer wieder unterbrachen sie ihr Stück, übersetzten für uns und ließen uns Szenen antizipieren. Sie machten die „Spaces for Future“ zu einem lebendigen Gegenstand.

Für mich war es der zweite Aufenthalt in Lusaka, diesmal im Anschluss an das offizielle Event mit einem „Ausflug“ ins nur wenige Stunden entfernt liegende Siavonga am Kariba Dam, wohin es über das Wochenende offenbar viele erholungsbedürfte Paare und Familien aus Lusaka zieht. Persönlich war ich mehr als beeindruckt von der intensiven Bautätigkeit, die im öffentlichen Bild der Stadt und entlang der Straßen überall sichtbar wird. Überall finden sich „land agencies“, bei denen Grundstücke gekauft werden können. Werbeplakate für Baustoffe, Baumaschinen und vieles mehr aus China, der Türkei und anderswo säumen die Straßen. Fast überall sieht man Orte des halbfertigen Bauens, angesichts derer sich die Frage aufdrängt, wer hier alles Geld mit Bautätigkeiten auf unsicherem Fundament verdient.

Kirsten Rüther, November 2022


Katharina Gartner: Ein Jahr als Research Fellow in Harvard und Accra

Unsere Lehrbeauftragte Mag. Katharina Gartner, MA, arbeitete das letzte Jahr als Research Fellow in Harvard und Accra – beides im Rahmen ihres IFK_Junior_Abroad Fellowships am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften. Heute erzählt sie uns über diese zwei spannenden Erfahrungen!

Mit Rosaline Salifu vom Harvard University Center for African Studies (CAS) (April 2022)

„Mein" Department of Sociology an der University of Ghana – wie ausgestorben, dafür schön grün. (Katharina Gartner, November 2021)

Ich verbrachte das letzte Jahr als Research Fellow in Harvard und Accra – beides im Rahmen meines IFK_Junior_Abroad Fellowships am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK). Hier ein paar Eindrücke aus diesem doch recht speziellen Forschungsjahr:

Im Frühling/Sommer 2022 arbeitete ich als Visiting Researcher an der Harvard University, am Department of African and African American Studies (AAAS), eingeladen von Prof. Jean Comaroff. Es war pandemisch bedingt zuerst ein sehr ruhiges Semester mit viel Platz in diesen unglaublich riesigen Bibliotheken (mein Lieblings-Arbeitsplatz: das Lamont Library Café, an 6 Wochentagen 24h geöffnet). Ab April gab es dann endlich auch viele Präsenz-Veranstaltungen mit sehr kosmopolitischem Publikum (was eine Idee davon gab, um wieviel besser der Aufenthalt ohne dieser verflixten Pandemie hätte sein können!). Aber auch trotz all der widrigen Umstände war es interessant, diese auch politisch hochinteressante Umbruchszeit am Department of African and African American Studies mitzuerleben, wo Black Lives Matter natürlich ein großes Thema war. Ich vertiefte in Harvard meine Forschung v.a. im Hinblick auf Globalisierung und bereitete einen Forschungsartikel zur Publikation vor.

Im vorangegangenen WS 2021/22 forschte ich an der University of Ghana, Legon, Accra, angedockt an eine Arbeitsgruppe des Projekts ACIG – Advancing Creative Industries in Ghana, unter der Leitung von Prof. Akosua Darkwah. Da auch hier aufgrund von Covid die Studierendenzahlen durch einen Semester-Staffelplan begrenzt waren, wirkte es am üppig grünen Campus, als hätten die Pflanzen die Übermacht übernommen. Lebhafter ging es in der Stadt zu, wo ich eine Phase der Wieder-Eröffnungen miterlebte – dieses Mal war ich aus dem Pandemie-Krisengebiet Europa nach Ghana als sichere Zone gekommen. So konnte ich ethnographische Updates mit Musiker_innen einholen und Übersetzungen von plurisprachigen Musiktexten unter Mitarbeit von Kolleg_innen, Musiker_innen und einem Filmemacher fertigstellen, die über 11 Sprachen enthielten (worin überraschenderweise immer wieder neue Sprachen auftauchten).

Ich freue mich, die frischen Impulse, die ich aus dem Jahr mitbringe, in meine Lehre im kommenden Semester einzubauen: über verlängerte Jugend und expressive Kulturen am Institut für Afrikawissenschaften und über populäre Musik und Globalisierung am Institut für Musikwissenschaft. 

Da ich es gewohnt bin, transdisziplinär zu arbeiten, sind in meinen Lehrveranstaltungen sowohl Studierende der Afrikawissenschaften als auch Interessierte aus anderen Studienrichtungen gerne willkommen. Ich freue mich auf ein persönliches (Wieder-)sehen!

Katharina Gartner, Oktober 2022


Rémi Armand Tchokothe: research on migration in the Comoros Archipelago

Rémi A. Tchokothe stellt seine Forschungsarbeit vor und erklärt seine Vorgehensweise. Dabei sind drei Fragen für ihn von besonderer Bedeutung:

1) Warum mache ich die Forschungsarbeit, die ich mache?
2) Wie mache ich meine Arbeit?
3) Was hat die Arbeit, die ich mache, mit der "Lebensrealität" zu tun?


Nicolas Mabillard stellt sich vor

Hey everyone! I am Nicolas Mabillard, a new senior research fellow at the Institute. My background is in social sciences, qualitative sociology to be exact. So far, my research has focused on Senegal. Over the last six years, as a PhD student at the University of Geneva, I studied the social dynamics of child labour and working children’s rights in Dakar and Saint-Louis, Senegal. The most striking aspect of my research was the claim by social movements of working children for a ‘right to work’ in fair conditions in conjunction with part-time schooling. Looking into this controversial idea through sociological lenses, I learned about honour, shame, justice and how these moral principles are related to child labour in Senegal. I was astonished to see how an ideal so widespread and seemingly unchallenged at the United Nations – child labour should be abolished without delay – made so little sense to many of the children I was doing research about/working with.

Last February, I successfully defended my doctoral thesis on these topics. Now, I am starting the next chapter in my academic life here in Vienna. I am still interested in doing research about/with children, but this time I am focusing my attention on Senegalese children who were born in Vienna and will experience/have already experienced being sent – or ‘fostered’ – in the country where their parents were born. I aim to further the knowledge on these children’s perspectives on their education in both Austria and Senegal where they spend some of their childhood.

Nicolas Mabillard, Mai 2021


Anais Angelo stellt sich vor

Bonjour! Just as Rolling Stones’ song goes, “Nice to meet you! Let me introduce myself”! My name is Anaïs Angelo and I have been a post-doctoral researcher at the Department of African Studies since 2017.

When I was a teenager, I found a biography of the Ugandan dictator Idi Amin Dada that my late grandfather had bought. I was curious, and I read it. It was my first encounter with an “African dictator” and with the field of African politics. I became fascinated with the question of how African presidents come to and stay in power. I studied political science and international relations at Sciences Po Paris (France, where I am from!) and spent one year as an exchange student at the University of Michigan (USA) where I started specializing in African Studies. My interest in African presidential politics resurfaced when I got the opportunity to do my Ph.D. in history at the European University Institute, in the beautiful Italian Tuscany. I spent four years between Florence and Nairobi doing research on Jomo Kenyatta, the first president of independent Kenya, trying to understand how he rose to prominence, accumulated executive powers and shaped Kenyan politics like no one else could. These were four wonderful years in which I learned a lot, met wonderful people, ate lots of pizza, chapati and nyama-choma.

Since I have been working in Vienna, I turned my dissertation into a book and I embarked on another research project. This time, I explore how Kenyan women demanded more parliamentary rights after independence. Just like for many people, the Covid-19 pandemic halted my fieldwork plans, but I hope to be able to do more archival research and interviews with incredible female warriors soon again.

Anais Angelo, February 2021.


Kirsten Rüther stellt sich vor

Seit 2012 bin ich als Professorin für Afrikanische Geschichte und Gesellschaften in Wien. Ich liebe die Stadt, ich brenne für die Forschung und genieße die Lehre, weil die Begegnung mit Studierenden immer wieder Überraschungen bereithält und weil es zu meinen schönsten Aufgaben gehört, Pluralität, Diversität, Ambivalenzen und Ambiguitäten afrikanischer Geschichtsverläufe zur Diskussion zu stellen.

Meine empirischen Forschungsfelder sind - regional gesprochen - Südafrika und Sambia. Thematisch habe ich mich lange für die Geschichte der Christianisierung und kulturellen Übersetzungen interessiert, die im Zuge von Kolonialismus und Eroberung stattfanden. Ich habe vor einigen Jahren damit begonnen, Städte näher in den Blick zu nehmen. An und in ihnen interessiert mich insbesondere das Wohnen sowie spätkoloniale Wohnungspolitiken. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgesprochenes Faible für Lebensgeschichten und Familienbiographie habe - immer in Geschichte und in Gegenwart. Eine meiner laufenden Forschungsarbeiten ist in diesem Feld angesiedelt. Auch sie hält mich in Schwung. Eins ist klar: Ohne den permanenten Zugriff auf diese Themen und mit ihnen verbundenen Forschungsmethoden könnte ich meine Lehrveranstaltungen kaum gestalten.

Forschung betreibt man nicht für sich allein. Für den kollegialen Austausch und eine strukturierte Doktoratsausbildung habe ich vor einigen Jahren das Feld der Mobilitätsforschung entdeckt. Die Forschungsplattform zu "Mobilen Kulturen und Gesellschaften" sowie das an die Plattform angeschlossene Doktoratsausbildungsprogramm der "Cultural Mobility Studies" bieten mir Gelegenheit, afrikawissenschaftlich wie auch disziplinär und regional darüber hinausgehend mit jungen Wissenschaftler*innen und vielversprechenden Promovierenden den Austausch zu pflegen. Das ist Arbeit, aber mehr noch ein Genuss.

Die Professur in Wien war und ist für mich ein Hauptgewinn!

Kirsten Rüther, Jänner 2021


Rémi Armand Tchokothe stellt sich vor

Hello, I am Rémi Armand Tchokothe. I feel privileged to be joining the Institute as a Tenure-Track Professor of Comparative Literature with a focus on ‘African’ Literatures, starting October 1st 2020.

How can we speak about the literatures of a continent which counts more than 2000 languages in an introductory course under current Covid-19 restrictions? What is the point in studying literatures from ‘Africa’ and the diaspora in Vienna? What will be our reading and working languages?

These are some of the central questions that we will address in this course which is an invitation to leave (y)our comfort zones, an encounter that will draw your attention to the ties between ‘Africa’ and the world, which bears down to the fact that I see myself as a citizen of the world and particularly as a critical intercultural mediator.

Hailing from Cameroon (Anglophone/Francophone distinction irrelevant!), I moved to Germany eighteen years ago and completed a PhD on Swahili literature which included field research in Kenya and Tanzania at the University of Bayreuth. My current research project in the Comoros Archipelago addresses ‘migration’ from Africa to Europe which happens on African grounds.

Speaking of ground, my teaching philosophy is to offer you some ground for gaining qualitative, differentiated, transformative and co-produced knowledge; a transparent, multicultural, respectful and an inclusive environment for (con)testing knowledge; and above all, a space for (y)our personal development.

AKWAABA (kindly find out what language this is…) to this common journey.

Rémi Armand Tchokothe, September 2020