Geschichte und Gesellschaften Afrikas

Wir arbeiten mit verschiedenen sozialräumlichen Bezügen und in jeweils unterschiedlicher historischer Tiefe zur Verflechtung lokaler und globaler Dimensionen in kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Gefügen. Unsere Themen reichen von der Meroitistik über die frühe globale Interaktionsgeschichte bis zu kolonialen und postkolonialen Transformationsprozessen.

Unsere Fragestellungen gewinnen wir u.a. aus gegenwärtigen Erfahrungen von Transnationalisierung und Diaspora. Wir behandeln Themen wie Familie, Verwandtschaft, Lebensalter und Gesundheit, Religions- und Gesellschaftswandel, Urbanisierung, Entwicklung und Landfragen unter Berücksichtigung der Genderperspektive. Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Handlungsmacht afrikanischer Akteure zu verdeutlichen, um Möglichkeiten und Grenzen ihres Handelns herauszuarbeiten. Wir setzen uns kritisch mit verzerrenden Perspektiven auf Afrika auseinander – etwa mit Eurozentrismen und Rassismen. Diese Forschungsinteressen spiegeln sich auch in der universitären Lehre wider.

Afrika, verstanden als facettenreiche und historisch global verflochtene Weltregion, wird somit durch regionale, thematische und komparative Herangehensweisen erschlossen. Sozial- und ideengeschichtliche Perspektiven werden durch wirtschafts-, polit- und kulturhistorische Ansätze ergänzt. Im Verlauf des Studiums werden geschichtswissenschaftliche Theorien, Methoden, Forschungsansätze und Historiographie unter besonderer Berücksichtigung inter- und multidisziplinärer Fragestellungen vermittelt.

Professorin für Geschichte und Gesellschaften Afrikas:
Prof. Dr. PD Kirsten RÜTHER

einige Scherben aus dem 9.-12. Jahrhundert in einem Schauschrank mit Sand

Nubische Keramik © Carl-Philipp Bodenstein

Afrikanische Sprachen und Literaturen

Afrika weist eine große Anzahl von Sprachen auf. Auf linguistischen Grundlagen aufbauend, bilden Sprachvermittlung sowie die Anwendung linguistischer Theorien auf afrikanische Sprachen wichtige Schwerpunkte an unserem Institut. Neben dem Spracherwerb geht es auch um das Erkennen sprachlicher Strukturen und sprachgenealogischer Zusammenhänge sowie um die Beschäftigung mit Konzepten sprachlichen Verhaltens.

Mehrsprachigkeit verbindet als übergeordnetes Thema unterschiedliche (sozio-)linguistische Forschungsansätze am Institut. So werden in Untersuchungen zu Sprachkontakt und Sprachwandel Einflüsse auf sprachliche Strukturen im Kontext gesellschaftlicher, politischer und historischer Transformation analysiert. Soziolinguistische Forschungsansätze widmen sich Fragestellungen zu Sprachpolitik, zu Einstellungen von SprecherInnen und zu Sprachideologien. Darüber hinaus gewinnen an unserem Institut Fragestellungen zu afrikanischer Diaspora und translokalen Sprachrepertoires zunehmend an Bedeutung.

Grundvoraussetzung für die intensive Beschäftigung mit afrikanischen Sprachen ist eine enge wissenschaftliche Kooperation mit KollegInnen und Institutionen in verschiedenen Ländern Afrikas. Es bestehen Kontakte in Forschung und Lehre zu Universitäten in Tanzania, Nigeria, Ghana und Burkina Faso sowie mit AfrikalinguistInnen weltweit.

Afrikanische Literaturen stehen an unserem Institut in ihrer Vielfalt und in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen im Zentrum der Literaturwissenschaft. Literatur wird dabei als Medium und als kultureller Raum begriffen, in dem Sprache und Geschichte aufeinander treffen. Daher befasst sich die Literaturwissenschaft ebenso mit Darstellungsweisen gesellschaftlicher Prozesse wie mit sprachlichen Strategien und dem Einsatz ästhetischer Mittel und Formen in den afrikanischen Literaturen.

Themen in Forschung und Lehre sind unter anderem Literaturgeschichte, Postkolonialität, Identitätskonstruktionen, Narration und Gedächtnis, orale Literatur, Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit und Interkulturalität. Die Beschäftigung mit afrikanischen Literaturen in Europa bedeutet darüber hinaus eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit westlichen Lesarten, mit dem imperialistischen Erbe im Diskurs über Afrika sowie mit stereotypen Rezeptionsmustern.

Vermittelt wird die Bandbreite afrikanischer Literaturen zum einen regional, sprachlich und national, zum anderen in den unterschiedlichen Genres – von Lyrik, Theater und Erzählliteratur bis hin zu Film und Populärkultur in afrikanischen und europäischen Sprachen.

Professor für Afrikanische Sprachen und Literaturen:
Prof. Dr. Adams BODOMO


Fachbereichsbibliothek Afrikawissenschaften. Blick durch ein Regal auf ein anderes Regal mit Bücher.

Fachbereichsbibliothek Afrikawissenschaften © Carl-Philipp Bodenstein